
Gebäudevisualisierung für ZIN in No(o)rd
VMA vertraut auf atvise® für Immobilienprojekt ZIN in No(o)rd
Die Gebäudevisualisierung des Projektes ZIN in No(o)rd zählt für VMA zu den größten ihrer Art. Seit über 14 Jahren setzt das belgische Unternehmen mit ihrer Lösung Vmanager auf atvise® und auch für dieses Großprojekt stand die Wahl einer Visualisierungslösung für die Projektverantwortlichen nicht zur Debatte.
Habsburger in Mexiko
Ferdinand Maximilian Joseph Maria von Österreich wusste im 19. Jahrhundert vermutlich noch nicht, dass ein nach ihm benannter Park in Brüssel neben einem der größten Hochhäuser Belgiens stehen wird. Sehr wahrscheinlich war ihm auch nicht bewusst, dass ein österreichisches Unternehmen die Software für die Gebäudevisualisierung bereitstellen würde.
Nur wenige Schritte hätte er gehen müssen, um das 1976 errichtete, ehemalige World Trade Center, vom Bahnhof Brüssel Nord aus zu erreichen. Das Gebäude befindet sich im Quartier Nord / Noordwikj, umgeben von weiteren Hochhäusern und war eines der ersten seiner Art in der belgischen Hauptstadt.
Aus WTC wird ZIN in No(o)rd
Insgesamt drei Namensänderungen hat das Gebäude durchlebt. Seine zweite Namensänderung führte der belgische Bauunternehmer befimmo durch und taufte es „ZIN in No(o)rd“. Womit 2019 auch der Startschuss für den Teilrückbau und die vollständige Neukonzeption des Gebäudes erfolgte.
Die zwei Türme des am New Yorker Vorbild angelehnten World Trade Centers wurden zunächst bis auf die tragende Struktur zurückgebaut und anschließend über mehrere Geschosse miteinander verbunden.
So wurde ZIN in No(o)rd zu einem multifunktionalen Gebäude, das die Bedürfnisse mehrerer Interessengruppen abdeckt. Mit 6 Unterebenen für den Parkraum sowie 31 überliegende Stockwerke, bietet dieses Gebäude eine Vielzahl an Möglichkeiten der Nutzung. Im Gebäude befinden sich Wohnungen, Arbeitsplätze, Restaurants, Einkaufsmöglichkeiten, ein Hotel, ein Sportkomplex, ein Parkhaus und vieles mehr. Auch die flämische Regierung findet Platz in diesem besonderen Gebäude.
VMA setzt auf atvise®
Der Immobilienentwickler wandte sich an die ebenfalls in Belgien befindliche CFE-Gruppe, die ihrerseits ihre Tochter, VMA, mit den technischen Details des Gebäudemanagements betraute.
Teil dieses Gebäudemanagements ist auch eine Gebäudevisualisierung. VMA verlässt sich hierbei bereits seit 14 Jahren auf atvise® und kann auf einen fundierten Erfahrungsschatz zurückgreifen. Die SCADA- und HMI-Lösung nutzt das Unternehmen in all seinen Projekten.
200.000 Datenpunkte und noch viel weiter
Pascal Kinoo, Commercial Manager bei VMA und verantwortlich für den Bereich Building Management Systems, fasst die Problemstellung passend zusammen: „Die Größe des Projektes war vermutlich die größte Herausforderung.“ Eine Visualisierung mit mehr als 200.000 Datenpunkten und 1.300 Energiezählern sowie die Anforderungen der Visualisierung auf unterschiedliche Interessensgruppen in der Applikation, machen die Dimension dieses Projekts deutlich. Selbst innerhalb dieser unterschiedlichen Ansprüche hat man mehrere Usergruppen mit verschiedenen Berechtigungen berücksichtigt.
Selbst scheinbar einfache Steuerungen, wie etwa die Lichtregelung in verschiedenen Räumen, können komplex sein: Abhängigkeiten von Energieeffizienz, Komfortanforderungen und individuellen Nutzerbedürfnissen erfordern eine präzise Konfiguration und flexible Visualisierung. Auch der Begriff „Smart Automation“ wird in diesem Projekt stark geprägt. Algorithmen übernehmen etwa die Steuerung von Zeitschaltungen, die die Beleuchtung abhängig von der Anwesenheit dimmen oder abschalten. Eine einfach bedienbare Visualisierung macht diese Funktionen zugänglich und trägt dazu bei, die Energieeffizienz im ZIN in No(o)rd deutlich zu steigern.
Zum Zeitpunkt der Umsetzung war ZIN in No(o)rd das größte Gebäudeprojekt, das VMA je realisierte und selbst angesichts dieser Größenordnung, stand die Wahl der Visualisierungslösung nie zur Debatte. „Es funktioniert einfach!“ erklärt uns Pascal Kinoo.
Dirk Stradiot, seit 10 Jahren Software Engineer bei VMA, begleitete das Projekt vom leeren Papier bis zur vollständigen und erfolgreichen Implementierung. Er bestätigt die Einschätzung seines Kollegen: „Bei einem solchen Projekt hat man nur einen sehr geringen Spielraum für Fehler. Stellen Sie sich eine Fehlerquote von 1% bei über 30.000 Lichtinstallationen vor. Das sind 30 Lichter, die nicht funktionieren! Das wäre völlig inakzeptabel.“
Große Projekte. Große Entscheidungen.
Um Fehlerquoten möglichst gering zu halten und Zeit und somit auch Kosten zu sparen, ging VMA bei den ersten Stockwerken besonders sorgfältig vor. Der Großteil der Stockwerke ist ähnlich aufgebaut, daher ist das erste Referenzstockwerk von großer Bedeutung, dieses wird dann, entsprechend den Bedingungen im Stockwerk, repliziert und angepasst. Das macht ein fehlerfreies Vorgehen, bereits in frühen Phasen des Projektes der Visualisierungslösung, unabdingbar. Das ist keine einfache Aufgabe, denn normalerweise laufen auf mehreren Steuerungen verschiedene Programmcodes. Um das zu umgehen, wird ein Parameter über OPC UA übermittelt, welcher der Steuerung das jeweilige Stockwerk, das es repräsentiert, bekannt gibt.
Dirk schildert den Innovationsgrad dieser Lösung also passend, wenn er sagt: „Das Konzept nutzten wir zum ersten Mal. Das ist nichts was weit verbreitet ist. Am Ende des Tages war es atvise®, dass uns diesen Ansatz erst ermöglichte.” Ohne atvise® und dem Einsatz verschiedenster Technologien wäre das nicht möglich gewesen. Mittels einfachen Upload Mechanismen, angestoßen aus dem atvise® Engineering-Tool, wird das Stockwerk und die entsprechende Visualisierung automatisch generiert. Das ist ein extremer Effizienzgewinn für alle Beteiligten.
Aber die Innovationskraft von VMA endet nicht hier. atvise® wurde im Projekt ZIN in No(o)rd auch zur Unterstützung der Inbetriebnahme eingesetzt – unter anderem bei der Kommissionierung der DALI-basierten Beleuchtung (Digital Addressable Lightning Interface). Anstatt Lichtinstallationen vor Ort manuell mit Papier und Stift zuzuordnen, erfolgte die Adressierung direkt über die Visualisierung: Lichtpunkte wurden im Grundriss dargestellt und Online über den Web-Client live zugewiesen. Das reduzierte den Zeitaufwand erheblich, minimierte Fehler und ermöglichte in Teilen sogar eine Remote-Kommissionierung.
Von Schnittstellen, Skalierbarkeit und hoher Flexibilität
Dank der Offenheit und Individualisierbarkeit von atvise® konnten auch weitere Schnittstellen zu externen Systemen zuverlässig abgebildet werden. Die Lösung lässt sich flexibel mit übergeordneten Systemen wie etwa Energie-Monitoring Systemen verbinden. Dank der hohen Skalierbarkeit von atvise® lassen sich auch große Datenmengen und hunderttausende Datenpunkte zuverlässig verarbeiten.
Neben Offenheit und Skalierbarkeit bietet atvise® weitere Vorteile, die VMA bei großen Projekten wie ZIN in No(o)rd besonders zu schätzen weiß. Dirk nennt das „The Law of the Number“ – je mehr Datenpunkte und Instanzen, desto schwerer wird es, Änderungen manuell zu kontrollieren. Mittels dem in atvise® integrierten Typenkonzepts und der durchgängigen Objektorientierung, lässt sich dies zuverlässig automatisieren. Änderungen werden automatisch auf alle Instanzen übertragen. Das ermöglicht eine konsistente und fehlerfreie Änderung. Bei über 200.000 Datenpunkten ein relevanter Vorteil. Das ist vor allem in der Gebäudeautomatisierung enorm wichtig, wo es oft Änderungen im letzten Moment geben kann.
Außerdem ermöglicht die hohe Flexibilität von atvise® eine Anpassungsfähigkeit für Projekte mit sehr spezifischen Anforderungen: Dirk benennt es so: „Wir haben eine invertierte Pyramide mit atvise® SCADA.“ – mit vordefinierten Templates stößt man bei solchen Projekten schnell an seine Grenzen. Über serverseitige Skripte ermöglicht atvise® komplexe Berechnungen und Logiken, die für solche Projekte notwendig sind. „Wir haben die Tools selbst in der Hand. Wir sind nicht an die Standardkonfigurationen gebunden.“ erklärt uns Dirk im Interview.
atvise® als Allrounder im Gebäude
Die Projektgröße, die Anzahl der Hardwarekomponenten sowie die Anbindung an verschiedenste Gewerke – zentral wie dezentral – machen atvise® zum durchgängigen System in ZIN in No(o)rd. Das hochverfügbare, redundante System für alle Gebäudeebenen ermöglicht mit mehreren Web-Clients pro Stockwerk eine durchgängige Übersicht und Kontrolle.
Beleuchtung, Heizung, Klima, Lüftung und nicht zuletzt die Parkraumüberwachung mit atvise® sind essenzieller Bestandteil des Gebäudeautomationssystems von VMA’s Softwarelösung Vmanager.
Ein krönender Abschluss
Die Visualisierung konnte in großen Teilen unabhängig vom übrigen Bauprojekt vorangetrieben werden. Nur zwei Monate benötigte VMA, um die Visualisierung des zwei Jahre andauernden Immobilienentwicklungsprojekt abzuschließen. Die geschaffene Lösung wurde rasch abgenommen und erfreute sich großer Beliebtheit. Durch die intuitive Gestaltung war keine tiefgehende Einschulung der Anwender nötig, in kürzester Zeit können diese relevante Werte identifizieren und damit arbeiten. Zugreifen können die User über den Web-Browser oder über die im ganzen Gebäude verteilten 88 Touchpanels. Diese können beispielsweise Daten zur Beleuchtung, der Feuchtigkeit oder der Kohlendioxidbelastung auslesen.
Mit dem Abschluss eines Projektes in dieser Größenordnung erweitert VMA seine Kompetenzen und Erfahrungen nachhaltig. Durch Ergänzungen in der Template-Bibliothek, kann VMA künftig Entwicklungszeiten verkürzen und dadurch ähnliche Projekte noch effizienter begleiten als zuvor.
Aus ZIN in No(o)rd wird Marie-Elisabeth Belpaire Gebouw
Nach seiner Eröffnung führte die flämische Regierung, die in dem Gebäude ebenfalls Büroflächen nutzt, die dritte und bisher letzte Namensänderung durch. Das Gebäude heißt von nun an Marie-Elisabeth Belpaire Gebouw (Gebäude). Sie war eine Verfechterin der flämischen Bewegung und ging vielleicht auch zu Lebzeiten im Maximilian Park nebenan spazieren – ein Ort, den sowohl Kaiser Maximilian von Mexiko als auch Marie-Elisabeth zu Lebzeiten bereits hätten kennen können.
Dass heute ein belgisches Gebäude den Namen einer flämischen Schriftstellerin trägt, direkt neben einem Park, der an einen Österreicher erinnert, ist ein stiller Zufall der Geschichte. Und genau an diesem Ort entsteht nun ein weiteres Kapitel dieser Verbindung: Ein Projekt, das belgische und österreichische Expertise zusammenführt und zeigt, wie selbstverständlich diese Zusammenarbeit im modernen Gebäudemanagement geworden ist.
So schließt sich der Kreis zwischen Vergangenheit und Gegenwart – in einem Gebäude, das Tradition, Architektur und zeitgemäße Visualisierung auf bemerkenswerte Weise miteinander verbindet.





